Gottes Erntezeit ist da – von Reinhard Bonnke

Bibelstudie

Gottes Erntezeit ist da

Der Geist, der auf Elia und Elisa, Johannes dem Täufer, den Aposteln und den ersten Christen ruhte, hat uns nie verlassen. Er wirkt in jeder Generation unter den Menschen. Und dieser Heilige Geist ist nun unser Erbteil. Seine Gegenwart ist unsere Bestimmung.

Gottes Erweckungsteam

Wir gehören zu Gottes Erweckungsteam, genau wie Whitfield, Wesley, Finney, Evans, Wigglesworth, Price und Jeffreys. Wir stehen Hand in Hand mit allen Gesalbten Gottes; wir – ja, wir – wirken in der Kraft des Heiligen Geistes, in der Kraft und im Geist des Elia. Was den großen Glaubenshelden damals gehörte, gehört auch uns, und was wir jetzt haben, hatten sie bereits. Der Heilige Geist ist der Geist der Propheten, der heute über „alles Fleisch“ ausgegossen wird.

Diese Gläubigen waren alle wie Elia, und wir sind jetzt „ihre Elisas“. Was sie taten, sollen auch wir tun. Jesus hat gesagt: „Andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten“ (Johannes 4,38). Wir identifizieren uns mit ihnen. Sie haben uns das Pfingstfeuer direkt aus dem Obergemach in Jerusalem gebracht, und wir tragen es weiter. Was sie einst inspirierte, das inspiriert nun auch uns: dasselbe Evangelium, dieselbe Bibel, dieselbe Liebe, derselbe Jesus von Golgatha und derselbe Heilige Geist.

Die Männer und Frauen der vergangenen Erweckungen sind nicht mehr. Alle sind gegangen, außer der Hauptperson, Jesus Christus! Er, der Saulus auf dem Weg nach Damaskus begegnete und Petrus in Galiläa – er ist hier! Er ist bei uns! Und er tauft noch heute im Heiligen Geist.

Mit der Salbung kommt der Widerstand

Doch mit derselben Salbung kommt auch dieselbe Verfolgung. Der Missionsbefehl, die Salbung und der Widerstand gehören zusammen. Wie immer werden die Nachfolger Jesu von den Weisen dieser Welt diffamiert und verspottet. Als Gläubiger wird man als realitätsfremd betrachtet, wenn man sich ihrem Unglauben und ihrer „Wissenschaft des biblischen Rationalismus“ verweigert. Ihre Anhänger glauben nicht an Wunder und schneiden sich die Bibel so zurecht, dass sie in ihr Denkschema passt.

Wer die Werke Jesu tut, der teilt auch seine Leiden. Doch wenn wir mit ihm leiden, dann werden wir auch mit ihm herrschen (s. 2. Timotheus 2,12). Wenn wir für unseren Glauben an Gott verspottet werden, dann werden wir auch durch unseren Glauben herrschen. Sagen die Menschen dasselbe über dich wie über Gottes Kinder in der Vergangenheit? Dann freu dich! Wer dich so behandelt, beweist dadurch, dass auch du zu den wunderbaren Gläubigen des Neuen Testaments gehörst. Wenn du den denselben Auftrag ausführst wie die ersten Christen, in derselben Vollmacht, dann hast du auch dieselben Feinde. Wenn Satan dich als Feind betrachtet – freu dich! Er kann dir kein größeres Kompliment machen. Er stellt dich damit auf dieselbe Stufe mit denen, die er früher gehasst hat, mit den geliebten Dienern des allerhöchsten Gottes.

David Livingstones Prophetie

1986 führten wir in Blantyre (Malawi/Ostafrika) eine Evangelisation durch. Der Ort ist nach der schottischen Stadt benannt, in der der große Missionar David Livingstone geboren wurde. Livingstone hatte in jener Gegend eine Missionsstation gebaut und eine Stadt gegründet, die heute über 300.000 Einwohner zählt, die größte Stadt Malawis. Ich zitiere aus seinem Tagebuch:

„Wir sind wie die Stimme eines Rufenden in der Wüste. Wir bereiten den Weg für eine glorreiche Zukunft. Künftige Missionare werden den Lohn durch Bekehrungen nach jeder Predigt ernten. Wir sind ihre Wegbereiter und Gehilfen. Mögen sie nie die Wächter in der Nacht vergessen – uns, die wir gearbeitet haben, als alles noch düster aussah, und keine Bekehrungserfolge unseren Weg erhellten. Sie werden zweifellos mehr Licht haben als wir. Aber auch wir dürfen unserem Meister aufrichtig dienen und das Evangelium verkündigen so wie sie.“

Livingstone starb 1873. Wir kamen mehr als 100 Jahre später. Was ist aus Livingstones Prophetie geworden? Oder war es lediglich Wunschdenken? Nein! Voller Freude kann ich berichten, was ich dort erlebt habe. Die Saat, die vor so langer Zeit gesät wurde, war nun reif zur Ernte. 150.000 Menschen versammelten sich beispielsweise zu einem einzigen evangelistischen Event. Die Menschen Malawis hörten durch uns vom Gott Livingstones, vom Erlöser des Paulus und von Petrusʼ Evangelium. 16 Tage waren wir dort, und Zehntausende reagierten positiv auf die Botschaft Livingstones, die wir für ihn und für Jesus predigten. Das ganze Land hallte davon wider.

Der Heilige Geist sagte damals zu mir: „Du stehst auf den Tränen früherer Generationen.“

Plötzlich konnte ich das Gesamtbild erkennen: In Gott gehören wir zu einer einzigen, mächtigen Evangelisationsbewegung, die aus den vorangegangenen und späteren Erntearbeitern besteht; wir sind mit ihnen vereint. Auch wir gehören zu ihrem Team, und sie gehören zu unserem Missionswerk. Wir dürfen mit Freuden ernten, was sie vor uns unter Tränen gesät haben. Wir ernten nicht, weil wir besser sind als jene Männer und Frauen, sondern weil die Erntezeit gekommen ist. Jesus hat gesagt:

„Der da erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit beide, der da sät und der da erntet, sich zugleich freuen ... Ich habe euch gesandt zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten“ (Johannes 4,36-38).

Die Erntezeit ist da – glaube es!

Die Menschheit hat sich explosionsartig vermehrt. Das eröffnet uns gewaltige und spannende Möglichkeiten. Und wir, du und ich, haben das Vorrecht, als Erwählte Gottes zu ernten. Zu wissen, dass bereits so viel vor unserer Zeit getan worden ist, sollte uns auch in Zeiten geistlicher Erfolge demütig machen. Wir dürfen die, die gesät haben, nicht enttäuschen. Man hat uns viel anvertraut. Wir sind es ihnen schuldig, die Sichel in die Hand zu nehmen oder, noch besser, den Mähdrescher zu benutzen.

Menschen wie Elia, Paulus, Justin der Märtyrer und Livingstone, sie alle haben sich für die Zukunft auf uns verlassen. Wir sollten Nutznießer ihrer Arbeit sein. Kein Grund also, stolz zu sein, nur demütig und dankbar!

Eine besondere Begegnung

1961 beendete ich mit 21 Jahren meine Bibelschulausbildung in Wales. Mein Heimweg nach Norddeutschland führte mich über London. Da mein Zug erst am Abend abfuhr, hatte ich Zeit für einen kleinen Stadtbummel. Ohne Plan und Ziel ging ich los und gelangte irgendwie südlich der Themse in die schönen Straßen von Clapham.

Plötzlich entdeckte ich an einer Straßenecke hinter einem hohen Holzzaun auf einem Türschild den Namen „George Jeffreys“. Ich hatte erst kürzlich ein Buch dieses Evangelisten gelesen und war überrascht, dass ich ausgerechnet auf sein Haus gestoßen sein sollte. George Jeffreys hatte die Erweckung von Wales erlebt und gemeinsam mit seinem Bruder Steven und anderen Familienmitgliedern die Pfingstbotschaft dem britischen Volk öffentlich verkündigt. Ganze Städte wurden durch seinen Dienst erschüttert, und Zehntausende erlebten gewaltige Wunder Gottes.

Gespannt ging ich durch das Gartentor bis hin zur Haustür, wo ich klingelte. Eine Frau erschien, und ich fragte sie: „Wohnt hier vielleicht der bekannte Evangelist George Jeffreys?“ Zu meiner großen Freude bejahte sie. Hoffnungsfroh bat ich: „Kann ich Herrn Jeffreys bitte sprechen?“ „Nein“, war die entschiedene Antwort, „das ist leider nicht möglich.“ Doch dann ertönte diese tiefe, melodische, walisische Stimme von drinnen, die mit ihrer Autorität einst Tausende fasziniert hatte. „Lass ihn hereinkommen!“ Begeistert trat ich ein, und tatsächlich, da war er! Er war 72 Jahre alt, sah für mich jedoch wie 90 aus.

„Was willst du?“, war seine erste Frage. Ich stellte mich vor, und dann sprachen wir über das Werk Gottes. Plötzlich fiel der große Mann auf seine Knie, zog mich dabei mit und fing an, mich zu segnen. Die Kraft des Heiligen Geistes erfüllte den Raum. Die Salbung begann zu fließen. Wie das Öl Aarons schien sie sich über meinen Kopf und sozusagen „bis hinab zum Saum meines Gewandes“ (Psalm 133,2) zu ergießen.

Wie benommen verließ ich das Haus. Vier Wochen später starb George Jeffreys. Ich hatte ihn durch Gottes Führung kurz vor seinem Tod kennenlernen dürfen. Ich wusste, dass ich etwas von diesem feurigen Evangelisten empfangen hatte. Ich war sicher, dass der Herr diese Begegnung arrangiert hatte. Wie sonst hätte ich in einer Riesenstadt mit zehn Millionen Einwohnern ausgerechnet auf dieses Haus stoßen sollen, obwohl ich überhaupt nicht an Jeffreys gedacht hatte? Was immer dieses Erlebnis in mir bewirkte, eines kann ich mit Sicherheit sagen: Als ich diesen Gottesmann vor mir sah, verstand ich, dass wir alle auf den Schultern von Menschen stehen, die uns vorangegangen sind. Die Gemeinde Gottes ist tatsächlich „aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten“ (Epheser 2,20).

Ein göttlicher Staffellauf

Man könnte es auch mit einem Staffellauf vergleichen. Einer rennt mit dem Stab los, ein anderer ergreift ihn und läuft weiter, dann ein Dritter und ein Vierter. Der Wettlauf und der Sieg gehören ihnen gemeinsam. Wenn einer den Stab fallen lässt, oder nicht ganz so gut läuft, dann nützen die Anstrengungen der anderen gar nichts; das ganze Team hat verloren.

Im Hebräerbrief lesen wir von der „Wolke der Zeugen“, den Heiligen Gottes. Sie spähen über die Zinnen der Herrlichkeit und feuern uns an. Wir laufen für sie. Wir müssen uns sogar noch ein bisschen mehr anstrengen als sie. Denn wir laufen die letzte Runde, bevor Jesus wiederkommt. Wir dürfen uns nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Die Ziellinie ist in Sicht! Verstehst du jetzt, was folgender Vers bedeutet?

„Und das Evangelium des Reiches wird gepredigt werden auf dem ganzen Erdkreis, allen Nationen zum Zeugnis, und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24,14).

Was ist das Motto dieser Stunde, der Slogan für unsere Zeit? Und zwar nicht unser Motto, sondern das Motto Gottes? „Evangelisation mit Feuer“, was eigentlich der Startschuss für Erweckung ist. Diese Evangelisation erfolgt durch die Gaben, die Kraft und die Manifestationen des Heiligen Geistes. Pfingsten bedeutet Erweckung!

Verlasse dich auf die wunderwirkende Kraft Jesu

Zweifler geben sich gern besonders klug. Sie analysieren die Situation und weisen mit beeindruckenden Begriffen auf die „Unmöglichkeiten“ hin. Sie „beweisen“, dass nichts getan werden könne und verwenden dabei Begriffe wie „Pluralismus“, „Hedonismus“, „Insularismus“ und „Narzissmus“. Sie versuchen mit hochtrabenden Worten zu zeigen, wie aussichtslos alles sei. Man könnte fast meinen, Gott habe das alles überhaupt nicht berücksichtigt.

Doch solche Zweifler irren sich. Es ist Gottes Erntezeit. Etwas kann getan werden. Gott hat alles vorbereitet. „Nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist …, spricht der HERR Zebaoth“ (Sacharja 4,6). Darauf sollten wir unser Vertrauen setzen, auf die Wunder wirkende Kraft Jesu, statt auf Fernsehprogramme, Radiosendungen, Geld oder Strategien, so nützlich sie auch sein mögen.

Wir haben nur eine Generation, um diese Generation zu erreichen. Der ursprüngliche Missionsbefehl kann nur in der ursprünglichen Kraft erfüllt werden. Gott hat eine vollkommene, perfekte Strategie, in die er dich und mich miteingeschlossen, ja, geradezu eingewoben hat. Seine Pläne können nicht scheitern. Wenn wir das wissen, können wir sie erfüllen, was immer auch geschehen mag!

Reinhard Bonnke