Von Daniel Kolenda

Die Dringlichkeit der Evangelisation

In 2. Könige 7 steht eine merkwürdige und gleichzeitig geniale Geschichte – mit ewigen Wahrheiten für uns heute. Lass mich dir etwas historischen Kontext geben, um den Rahmen abzustecken. 

Eine hungernde Nation 

Nach der Herrschaft von König Salomo spaltete sich Israel in zwei Königreiche. Das Nordreich behielt den Namen Israel, seine Hauptstadt war Samaria. Das Südreich hieß Juda mit der Hauptstadt Jerusalem. Juda erlebte Erweckungen unter Königen wie Hiskia und Josia, doch im Norden kam es zum massenhaften Glaubensabfall. Jerobeam, der erste König des Nordens, wollte nicht, dass sein Volk in Jerusalem anbetete, daher führte er seine eigene Religion ein. Er stellte goldene Kälber auf und sagte den Menschen: „Dies sind die Götter, die euch aus Ägypten geführt haben“, d. h. es war staatlich verordneter Götzendienst von Anfang an. 

Um dieselbe Zeit kamen die Syrer (Aramäer) unter der Führung von König Ben-Hadad und umzingelten Samaria mit einer brutalen Belagerung. Ihr Ziel war es, die Menschen durch Hunger zur Kapitulation zu zwingen. Der Hunger wurde so schlimm, dass die Essenspreise in die Höhe schossen. Ein Eselskopf, ein unreines Tier, das kein Israelit normalerweise anrühren würde, kostete 80 Silberschekel, d. h. circa 650 €. Wenn dir das zu teuer war, konntest etwas Billigeres kaufen: einen Haufen Taubenkot für 5 Schekel, circa 40 €. Stell dir vor, einen gegrillten Eselskopf mit gedünstetem Taubenkot zu essen. Das war die Speisekarte. Die Stadt aß Müll und unreine Dinge für das nackte Überleben. 

Hungrige Menschen begehen Verzweiflungstaten 

Es wird noch schlimmer. Im vorhergehenden Kapitel ging König Joram auf der Stadtmauer, als eine Frau ihm etwas zurief. Sie erzählte ihm eine grausige Geschichte: Sie und ihre Nachbarin hatten einen Pakt geschlossen. „Heute kochen wir meinen Sohn und essen ihn, morgen ist dein Sohn dran.“ Sie aßen den Sohn der ersten Frau, doch die zweite Frau versteckte ihr Kind. Solche Verzweiflungstaten produziert der Hunger. Hungrige Menschen tun extreme Dinge. 

Was hat das mit uns zu tun? Es zeigt uns die geistliche Verfassung unserer Welt. Menschen ohne Jesus verhungern geistlich. Sie versuchen, sich mit Lust, Geld, Beziehungen, Erfolg und Unterhaltung zu füllen – doch nichts befriedigt sie. Wie der verlorene Sohn enden sie bei den Schweinen, essen den Müll der Welt und bleiben dennoch hungrig. Wir vergessen, wie verzweifelt das Leben ohne Christus wirklich ist. Die Welt wird belagert, und der Feind hat jede Quelle echter Nahrung abgeschnitten. 

Elisas Prophetie 

König Joram war erzürnt, doch er gab Gott die Schuld und drohte, den Propheten Elisa zu töten. Er sandte einen Boten zu Elisas Haus, doch Elisa gab ein Wort vom Herrn weiter, das aller Logik widersprach. Denn die Menschen aßen Eselsköpfe und Taubenkot. Elisa sagte: „Morgen um diese Zeit wird ein Maß feines Mehl einen Schekel kosten und zwei Maß Gerste einen Schekel im Tor von Samaria.“ Das sind zirka 6 kg Mehl oder 13 kg Gerste für weniger als zehn Euro. Der Hunger würde nicht nur enden – es sollte eine solche Fülle geben, dass man die Nahrung praktisch verschenkte. 

Der Offizier des Königs, der geschickt wurde, um Elisa zu verhaften, spottete: „Selbst wenn der Herr die Fenster des Himmels öffnen würde, wie könnte das geschehen?“ Er verwarf das Wort, weil es unmöglich erschien. Elisa gab ihm daraufhin eine ernüchternde Gerichtsbotschaft: „Mit deinen Augen wirst du es sehen, doch du wirst nicht davon essen!“ Er würde das Wunder sehen, aber seine Segnungen nicht schmecken – weil er die gute Nachricht verwarf. 

Die vier Aussätzigen 

Nun zu unserem Text, 2. Könige 7,3-9. Es waren vier aussätzige Männer vor dem Tor. Der Aussatz machte sie zu Außenseitern, die nicht in der Stadt leben durften. Sie starben bereits an einer unheilbaren Krankheit, und der Hunger drohte, ihnen den Rest zu geben. Daher sagten sie zueinander. „Was sollen wir hierbleiben, bis wir sterben? Wenn wir in die Stadt gehen, müssten wir dort an Hungersnot sterben. Bleiben wir hier, so müssen wir auch sterben. So lasst uns zum Heer der Aramäer überlaufen. Lassen sie uns leben, so leben wir, töten sie uns, so sind wir tot.“ Schlimmer als ihre aktuelle Lage konnte es ja nicht werden, sondern sie konnten höchstens etwas gewinnen. 

In der Dämmerung gingen sie ins syrische Lager. Doch sie entdeckten, dass es völlig verlassen war: keine Soldaten, keine Pferde, nichts. Der Herr hatte die Syrer den Lärm einer großen Armee hören lassen – Wagen, Pferde und marschierende Füße. In ihrer Panik rannten sie um ihr Leben und ließen alles zurück: Zelte, Essen, Pferde, Esel, Silber, Gold und Kleider. Gott hatte ihre Feinde in einer einzigen Nacht zerstreut. 

Die Entdeckung des Festmahls

Stell es dir vor. Diese hungrigen und verzweifelten Aussätzigen treten in das erste Zelt. Ihre Augen gewöhnen sich an die Dunkelheit, dann sehen sie es: echte Nahrung. Brot, Fleisch, Wein, alles, was sie sich wünschen konnten. Keine Eselsköpfe, kein Taubenkot, sondern echtes, nahrhaftes Essen. Die Bibel berichtet, dass sie darüber herfielen, so ausgehungert, dass sie sich nicht kontrollieren konnten. Nachdem sie sich sattgegessen hatten, fanden sie Silber, Gold und Kleider. Sie nahmen es weg und versteckten es. 

Doch irgendwann hatte einer von ihnen einen lichten Moment. Mit vollem Magen fing sein Kopf wieder an zu arbeiten – und er sagte zu den anderen Dreien: „Das ist nicht richtig. Dieser Tag ist ein Tag der guten Botschaft, und wir schweigen. Warten wir bis zum Morgen, so wird uns Schuld treffen. Lasst uns gehen und es dem Haus des Königs sagen.“ 

Das Verbrechen des Schweigens 

Erkennst du das Bild? Wir waren wie diese vier Aussätzigen. Wir waren tot in unseren Sünden. Wir waren Aussätzige, Unreine, getrennt von Gott. Doch wir stolperten über das größte Festmahl, das je angerichtet wurde: das Evangelium Jesu Christi. Wir haben Vergebung, Frieden, Lebenssinn und ewiges Leben geschmeckt. Wir haben uns mit dem Brot des Lebens und lebendigem Wasser gefüllt. Wir haben unfassbare Schätze in Christus entdeckt. 

Doch hier ist die entscheidende Frage: Behalten wir es für uns? Die Aussätzigen erkannten, dass es falsch war, zu genießen, während ihre Geschwister innerhalb der Stadtmauern verhungerten. Sie wussten, dass Schweigen Sünde war. Es war ein Verbrechen, solche gute Nachrichten verborgen zu halten. 

Doch genau das tut die Gemeinde jeden Tag. Wir sitzen in unseren wunderschönen Gebäuden, genießen Gottes Gnade, Erbarmen und Güte, während Millionen draußen verzweifelt nach dem hungern, woran wir uns erfreuen. Sie hungern nach Wahrheit, Hoffnung und Bedeutung. Sie füllen ihre Bäuche mit Müll: Materialismus, Unterhaltung, falsche Religion – aber ihre Seelen bleiben leer. Doch wir haben die Antwort. Wir haben das Brot, das satt macht. Wir haben das Wasser, das den Durst für immer löscht.

„Wenn du den Gottlosen nicht warnst …“ 

Ich habe vor Jahren eine Geschichte gelesen, die mich verfolgt. Ein Missionar namens M. V. Varghese evangelisierte am Ganges-Fluss in Indien. Er traf eine Frau namens Alila, die im Sand kniete und unkontrolliert schluchzte. Er kniete sich neben sie und frage, was sie belastete. Sie sagte: „Die Probleme bei mir zu Hause sind zu zahlreich, und meine Sünden beschweren mein Herz. Daher opferte ich das Beste, was ich hatte, der Göttin Ganges: meinen erstgeborenen Sohn. Ich warf mein sechs Monate altes Baby in den Fluss.“ 

Das Herz von Bruder Varghese brach. Er erzählte ihr sanft von Jesus, von seiner Liebe, Vergebung und dem ewigen Leben, das er anbietet. Verwirrt sah sie ihn an und sagte: „Das habe ich noch nie gehört. Warum bist du nicht 30 Minuten früher gekommen? Dann hätte mein Kind nicht sterben müssen.“ 

So schwer wiegt unser Schweigen. Das ist die Dringlichkeit der Evangelisation. In Hesekiel 3,18 heißt es: Wenn wir die Gottlosen nicht warnen, wird ihr Blut von unserer Hand gefordert. Hier geht es nicht darum, Schuldgefühle zu erzeugen; es geht um Liebe. Wir haben die einzige Botschaft, die rettet, und wir müssen sie weitersagen. 

Es gibt mehr als genug 

Beachte, was die Aussätzigen taten, als sie in die Stadt zurückkehrten. Sie hielten keine ausgefeilte Predigt. Sie beeindruckten niemanden mit theologischem Wissen. Sie erzählten einfach nur, wo und wie sie das Brot gefunden hatten. Das ist alles, was wir tun müssen. Wir sind nicht die Bäcker des Brotes; wir liefern es nur aus. Gott hat das Festmahl vorbereitet; wir zeigen es den anderen nur. Und hier kommt das Schöne: Es gibt mehr als genug für alle. Niemand musste um seinen Anteil kämpfen. Reich und Arm, Jung und Alt, alle hatten denselben Zugang zu den unerschöpflichen Ressourcen. Das ist das Evangelium. Es ist nicht nur für wenige Erwählte bestimmt, sondern für alle, die es annehmen. Sie mussten nur der Botschaft glauben und das für sich nehmen, was schon bereitgestellt worden war. 

Ein tragisches Ende 

Das Ende der Geschichte ist ernüchternd. Der Offizier, der Elisa nicht glaubte, musste das Tor bewachen. Er sah den Reichtum hereinkommen: Nahrung, Kleidung, Gold und Silber und dachte wahrscheinlich: „Ich kann es kaum erwarten, bis meine Schicht um ist und ich meinen Anteil bekomme.“ Doch das geschah nie. Die Massen, die hinausströmten, um die gute Nachricht anzunehmen, trampelten ihn zu Tode. Er sah den Segen, doch er schmeckte ihn nicht. 

Das ist die erschreckende Realität des Unglaubens. Du kannst dem Festmahl so nahe sein und dennoch verhungern. Du kannst am Brunnen lebendigen Wassers stehen und trotzdem verdursten. Manche von uns sind wie dieser Offizier. Du hast die Botschaft gehört, die Beweise gesehen, aber du hast es noch nicht ergriffen und für dich angenommen. Wenn du die Gemeinde verlässt und sagst: „Das war eine schöne Predigt“, hast du das Entscheidende verpasst. Es gibt einen Aufruf zum Handeln: Wenn du hungrig bist, komm und iss. Wenn du gegessen hast, geh und sage es anderen. 

Die erste Evangelistin 

In derselben Region, in der unsere obige Geschichte sich abspielte, ist der Jakobsbrunnen, wo Jesus einer Samaritanerin begegnete. Sie war durstig und stand dabei direkt neben der Quelle lebendigen Wasser. Sie sprach mit dem Messias und erkannte es nicht, bis er sich ihr offenbarte. Dann ließ sie ihren Krug fallen und rannte los, um es der ganzen Stadt zu erzählen. Diese sündige, ausgestoßene Frau wurde zur ersten Evangelistin. Sie erkannte Jesus, bevor es seine eigenen Jünger taten. Als diese zurückkehrten, boten sie Jesus Essen an, doch er sagte: „Ich habe eine Speise, von der ihr nichts wisst.“ Sie standen direkt neben dem Brot des Lebens und sahen es nicht. 

Ein Ruf zum Handeln

Daher frage ich dich heute: Hungerst du? Komm zum Festmahl. Bist du satt? Geh und sage es weiter. 

Ein letzter Gedanke aus dieser starken Geschichte: Nachdem die Aussätzigen die gute Nachricht erzählt hatten, werden sie nie wieder erwähnt. Sie verschwinden. Keine Belohnung, kein Denkmal, keine Statuen zu ihrer Ehre. Denn sie waren nicht die Helden, sondern nur die Boten. Und genau das sind wir auch. Wir predigen das Evangelium, sterben und werden vergessen – nur Jesus soll alle Ehre bekommen. 

Wir sind einfach nur Bettler, die Brot gefunden haben und anderen Bettlern sagen, wo sie es finden können. Das ist unsere Mission und unsere Freude. Dies ist ein Tag froher Botschaft. Lasst uns nicht schweigen! 

Daniel Kolenda