Venezuela

Unerschütterter Glaube

Während ich diesen Brief schreibe, bin ich von der Güte Gottes überwältigt. Was ich dir gleich erzählen werde, hat ein bemerkenswertes Timing. Wir hätten das niemals planen können – nur Gott konnte es so orchestrieren. 

Du weißt bereits, dass Gott uns Venezuela dieses Jahr besonders aufs Herz gelegt hat. Wir spürten eine große Dringlichkeit, die Türen zu nutzen, die sich dort plötzlich öffneten. In den vergangenen zwei Jahren führten CfaN-Mitarbeiter Fire-Camps durch und bauten Beziehungen zu Hunderten von Ortsgemeinden auf. 

Dies alles steuerte auf eine CfaN-Großevangelisation zu, die später in diesem Jahr für Valencia geplant war. Wir erlebten unbeschreibliche Gunst auf den höchsten Ebenen, gepaart mit einem Gefühl großer Erwartung und Einheit unter den Gemeinden. Die Vorbereitungen auf das Großevent sind weit fortgeschritten.

Jesu Hände sein

Nach den Erdbeben wurden die Event-Vorbereitungen vorübergehend pausiert. Alejandro und Rachel, die in den letzten beiden Jahren ein Netzwerk von Gemeindeleitern etabliert hatten, fragten nun, wie sie Jesu Hände sein könnten. Statt Gebetstreffen abzuhalten und den Medien Interviews zu geben, brachten sie nun verzweifelten, obdachlosen Menschen Essen, Wasser und Medikamente. Sie schauten, wo die Ortsgemeinden Hilfe brauchten und wurden aktiv, um so viel Unterstützung wie möglich zu bieten. 

Wir haben über 700 ausgebildete Evangelisten im Land. In Valencia, wo wir stationiert sind, gibt es circa 250 Jesus-Camp-Evangelisten. Sie mobilisieren sich eigenständig und viele Gemeinden arbeiten ununterbrochen. Wir haben Geschichten von ausgebildeten Evangelisten gehört, die losgingen, um Menschen zu retten – und sogar denen, die unter den Trümmern begraben waren, das Evangelium predigten und ihnen Jesus bekanntmachten, während sie noch verschüttet waren. Sie hatten nicht die Ausrüstung, um sie auszugraben, doch sie brachten ihnen Hoffnung und Gebet.

„Obwohl unser Kernteam klein war, erfuhren wir riesige Unterstützung von Hunderten von Evangelisten, die in den letzten Jahren ausgebildet wurden, ebenso wie von Ortsgemeinden. Wir arbeiten mit unzähligen Gemeinden, Beratern und großen Kirchenströmungen in Valencia zusammen. Sie haben mit uns gemeinsam das Evangelium verbreitet. Sie bringen Teams und humanitäre Hilfe, und wir stehen ihnen mit dem evangelistischen Part zur Seite. Sie verteilen z. B. Matratzen und Essen, die Menschen sammeln sich, und dann predigen wir das Evangelium. Wir halten Mini-Evangelisationen in Hilfszentren ab.“ 

„Gott hat mich verschont, damit ich diene“

Wenige Tage nach den Erdbeben besuchte Alejandro eine Gemeinde im Herzen von La Guaira, einer am stärksten betroffenen Gegend, in der über 165 Gebäude einstürzten.

„Wir nahmen Kontakt mit einer kleinen Gemeinde auf und trafen einen Pastor namens Israel. Seine Geschichte war herzzerreißend. Am Tag des Erdbebens veranstalteten sie einen Heilungs- und Befreiungsgottesdienst. Wenige Minuten nach dessen Ende kam das Erdbeben. Er verlor 20 Gemeindemitglieder. Er selbst wurde unter dem Schutt begraben und wäre gestorben, wenn ihn nicht ein Gemeindemitglied herausgezogen hätte.

Die Gemeinde betrieb auch eine Suppenküche für Kinder in einem großen Gebäude, in dem Hunderte von Kindern ernährt wurden. Während des Erdbebens stürzte es ein, und alle Kinder darin starben. In der Gemeinde gab es eine Wand mit selbstgemalten Bildern dieser Kinder mit Botschaften wie „Jesus ist mein Freund“ und Bibelversen. All diese Kinder kamen um, aber sie alle kannten Jesus. 

Könnte irgendetwas uns die Dringlichkeit des Evangeliums ergreifender vermitteln als diese Worte? 

Diese Geschichte hat mich wirklich getroffen. Doch was mich am meisten beeindruckte, war Pastor Israels Aussage: „Ich sollte eigentlich sterben. Gott hat mich aus einem Grund gerettet. Ich lebe, um weiterhin Menschen zu helfen und sein Reich zu bauen.“ Seit dem Erdbeben arbeiten er und andere Tag und Nacht: Sie retten Menschen, geben ihnen Essen und Wasser. Er sagt: „Wenn der Koch nicht mehr kochen kann, dann koche ich. Gott hat mein Leben verschont, damit ich Menschen diene, ihnen helfen und sie rette – um des Evangeliums willen.“

Gott hat einen Plan für Venezuela

Ist das nicht erstaunlich? Gott wirkte schon in Venezuela, lange bevor diese Tragödie zuschlug. Er legte ein neues Fundament, berief Hunderte von Evangelisten und verband Christen von Herz zu Herz miteinander. Und jetzt, in diesem Moment der Erschütterung und Prüfung, hat der Leib Christi die Herausforderung angenommen. Überall, wo helfende Hände sind, wird das Evangelium gepredigt. 

Jetzt ist die Zeit für Venezuela! 

Ich glaube nicht, dass wir weitere Bestätigung für das brauchen, was der Herr uns über Venezuela gesagt hat. Für dieses Land, das so viel gelitten hat und weiterhin leidet, ist die Zeit jetzt gekommen. Wir sind nicht die einzigen, die so denken. Wenn unsere Organisatoren mit einheimischen Komitees und Beratern sprechen, sind sich alle komplett einig, dass Venezuela das Evangelium braucht, mehr als je zuvor.  

Die Evangelisationsvorbereitungen werden so bald wie möglich weitergehen. Ich freue mich, dir darüber bald weitere Infos geben zu können. Bitte bete weiterhin für die Menschen Venezuelas, für die Ortsgemeinden, die sich dieser riesigen Herausforderung stellen und für unser Team, das den Herrn für die anstehende Großevangelisation sucht. Wir hören das Herz Gottes für Venezuela deutlich – wir wollen bereitstehen für das, was er dort geplant hat. 

Gemeinsam mit dir im Einsatz für Jesus

Evangelist Daniel Kolenda
(mit dem CfaN-Team weltweit)