
Venezuela
Unerschütterter Glaube
Während ich diesen Brief schreibe, bin ich von der Güte Gottes überwältigt. Was ich dir gleich erzählen werde, hat ein bemerkenswertes Timing. Wir hätten das niemals planen können – nur Gott konnte es so orchestrieren.
Du weißt bereits, dass Gott uns Venezuela dieses Jahr besonders aufs Herz gelegt hat. Wir spürten eine große Dringlichkeit, die Türen zu nutzen, die sich dort plötzlich öffneten. In den vergangenen zwei Jahren führten CfaN-Mitarbeiter Fire-Camps durch und bauten Beziehungen zu Hunderten von Ortsgemeinden auf.
Dies alles steuerte auf eine CfaN-Großevangelisation zu, die später in diesem Jahr für Valencia geplant war. Wir erlebten unbeschreibliche Gunst auf den höchsten Ebenen, gepaart mit einem Gefühl großer Erwartung und Einheit unter den Gemeinden. Die Vorbereitungen auf das Großevent sind weit fortgeschritten.

Aus diesem Grund befanden sich Alejandro und Rachel Escobar – erfahrene Organisatoren von CfaN-Evangelisationen – in Venezuela, als das doppelte Erdbeben geschah. Es waren die letzten Tage einer knapp dreiwöchigen Reise, bei der sie 27 Evangelisten anleiteten, die Jugendevents durchführten, in Gefängnissen predigten und Ortsgemeinden besuchten, um die anstehende Evangelisation zu planen.

Einer der Team-Evangelisten, Fabian Lösslein, beschreibt den Moment, der alles veränderte:
„Ich kam gerade von einem großen Pastorentreffen. Wir hatten alle Pastoren in eine Gemeinde eingeladen, und als es vorbei war, fuhr ich wieder nach Hause. Plötzlich hielten alle Autos auf der Autobahn. Mein erster Gedanken war: Werden wir jetzt ausgeraubt? Was passiert hier? Doch dann sah ich, wie das Auto direkt neben mir erzitterte. Und ich wusste sofort: Das ist ein Erdbeben.
Meine Frau und drei Kinder waren zu Hause in unserer Wohnung im 24. Stock. Das gesamte Gebäude wackelte. Meine Kinder wurden sprichwörtlich von Wand zu Wand geschleudert. Doch der Herr sprach deutlich zu mir: „Ich bin deine Festung. Ihr seid sicher.“ Eine halbe Stunde nach dem Erdbeben lagen die Kinder im Bett und schliefen – wir hatten vollkommenen Frieden, der alles Denken übersteigt.“
Keiner der 27 Evangelisten erlitt irgendeinen Schaden.

Jesu Hände sein
Nach den Erdbeben wurden die Event-Vorbereitungen vorübergehend pausiert. Alejandro und Rachel, die in den letzten beiden Jahren ein Netzwerk von Gemeindeleitern etabliert hatten, fragten nun, wie sie Jesu Hände sein könnten. Statt Gebetstreffen abzuhalten und den Medien Interviews zu geben, brachten sie nun verzweifelten, obdachlosen Menschen Essen, Wasser und Medikamente. Sie schauten, wo die Ortsgemeinden Hilfe brauchten und wurden aktiv, um so viel Unterstützung wie möglich zu bieten.


Alejandro stammt ursprünglich aus Venezuela und hört seit über acht Jahren, wie der Herr über eine große dortige Ernte spricht. Er berichtet:
„Als das Erdbeben geschah, waren wir das einzige christliche Notfallteam vor Ort, nur Rachel und ich.
Dann kamen noch einige Personen dazu, und wir stellten eine kleine Eingreiftruppe zusammen. Matias Toivanen flog den ganzen Weg von Finnland nach Venezuela, als die Flughäfen wieder offen waren, um Evangelisten im ganzen Land zu mobilisieren. Andere Absolventen des Jesus Camps und des CfaN-Bootcamps stießen dazu, um das Evangelium zu predigen, Ortsgemeinden zu dienen, die humanitären Einsätze zu unterstützen und dabei gleichzeitig evangelistische Aktionen anzustoßen. Die Menschen hungern buchstäblich nach Hoffnung.
Wir haben über 700 ausgebildete Evangelisten im Land. In Valencia, wo wir stationiert sind, gibt es circa 250 Jesus-Camp-Evangelisten. Sie mobilisieren sich eigenständig und viele Gemeinden arbeiten ununterbrochen. Wir haben Geschichten von ausgebildeten Evangelisten gehört, die losgingen, um Menschen zu retten – und sogar denen, die unter den Trümmern begraben waren, das Evangelium predigten und ihnen Jesus bekanntmachten, während sie noch verschüttet waren. Sie hatten nicht die Ausrüstung, um sie auszugraben, doch sie brachten ihnen Hoffnung und Gebet.
„Obwohl unser Kernteam klein war, erfuhren wir riesige Unterstützung von Hunderten von Evangelisten, die in den letzten Jahren ausgebildet wurden, ebenso wie von Ortsgemeinden. Wir arbeiten mit unzähligen Gemeinden, Beratern und großen Kirchenströmungen in Valencia zusammen. Sie haben mit uns gemeinsam das Evangelium verbreitet. Sie bringen Teams und humanitäre Hilfe, und wir stehen ihnen mit dem evangelistischen Part zur Seite. Sie verteilen z. B. Matratzen und Essen, die Menschen sammeln sich, und dann predigen wir das Evangelium. Wir halten Mini-Evangelisationen in Hilfszentren ab.“
„Gott hat mich verschont, damit ich diene“
Wenige Tage nach den Erdbeben besuchte Alejandro eine Gemeinde im Herzen von La Guaira, einer am stärksten betroffenen Gegend, in der über 165 Gebäude einstürzten.
„Wir nahmen Kontakt mit einer kleinen Gemeinde auf und trafen einen Pastor namens Israel. Seine Geschichte war herzzerreißend. Am Tag des Erdbebens veranstalteten sie einen Heilungs- und Befreiungsgottesdienst. Wenige Minuten nach dessen Ende kam das Erdbeben. Er verlor 20 Gemeindemitglieder. Er selbst wurde unter dem Schutt begraben und wäre gestorben, wenn ihn nicht ein Gemeindemitglied herausgezogen hätte.
Die Gemeinde betrieb auch eine Suppenküche für Kinder in einem großen Gebäude, in dem Hunderte von Kindern ernährt wurden. Während des Erdbebens stürzte es ein, und alle Kinder darin starben. In der Gemeinde gab es eine Wand mit selbstgemalten Bildern dieser Kinder mit Botschaften wie „Jesus ist mein Freund“ und Bibelversen. All diese Kinder kamen um, aber sie alle kannten Jesus.
Könnte irgendetwas uns die Dringlichkeit des Evangeliums ergreifender vermitteln als diese Worte?
Diese Geschichte hat mich wirklich getroffen. Doch was mich am meisten beeindruckte, war Pastor Israels Aussage: „Ich sollte eigentlich sterben. Gott hat mich aus einem Grund gerettet. Ich lebe, um weiterhin Menschen zu helfen und sein Reich zu bauen.“ Seit dem Erdbeben arbeiten er und andere Tag und Nacht: Sie retten Menschen, geben ihnen Essen und Wasser. Er sagt: „Wenn der Koch nicht mehr kochen kann, dann koche ich. Gott hat mein Leben verschont, damit ich Menschen diene, ihnen helfen und sie rette – um des Evangeliums willen.“

Matias Toivanen beschreibt das tiefe Verlangen nach Gott, das man überall sieht:
„Ich habe keinen Zynismus gegenüber Gott erlebt. Es gibt momentan keine Atheisten im Land, und die Herzen sind sehr weich und offen für den Herrn. Gott hat uns Kraft gegeben und eine Rolle, die gute Nachricht zu verbreiten. Wir lieben die Menschen. Daher beten wir auch für sie, wenn wir ihnen helfen. Wir wollen mit ihnen über eine bleibende Hoffnung sprechen, ein Leben, das nicht endet und das nicht zerstört werden kann. Wir wollen sie einfach in die Arme Jesu führen.
Wir erleben täglich, dass Hunderte positiv auf das Evangelium reagieren, es sind bereits über 9.000 Personen (10 Tage nach den Erdbeben).“
Gott hat einen Plan für Venezuela
Ist das nicht erstaunlich? Gott wirkte schon in Venezuela, lange bevor diese Tragödie zuschlug. Er legte ein neues Fundament, berief Hunderte von Evangelisten und verband Christen von Herz zu Herz miteinander. Und jetzt, in diesem Moment der Erschütterung und Prüfung, hat der Leib Christi die Herausforderung angenommen. Überall, wo helfende Hände sind, wird das Evangelium gepredigt.
Jetzt ist die Zeit für Venezuela!
Ich glaube nicht, dass wir weitere Bestätigung für das brauchen, was der Herr uns über Venezuela gesagt hat. Für dieses Land, das so viel gelitten hat und weiterhin leidet, ist die Zeit jetzt gekommen. Wir sind nicht die einzigen, die so denken. Wenn unsere Organisatoren mit einheimischen Komitees und Beratern sprechen, sind sich alle komplett einig, dass Venezuela das Evangelium braucht, mehr als je zuvor.
Die Evangelisationsvorbereitungen werden so bald wie möglich weitergehen. Ich freue mich, dir darüber bald weitere Infos geben zu können. Bitte bete weiterhin für die Menschen Venezuelas, für die Ortsgemeinden, die sich dieser riesigen Herausforderung stellen und für unser Team, das den Herrn für die anstehende Großevangelisation sucht. Wir hören das Herz Gottes für Venezuela deutlich – wir wollen bereitstehen für das, was er dort geplant hat.
Gemeinsam mit dir im Einsatz für Jesus
Evangelist Daniel Kolenda
(mit dem CfaN-Team weltweit)




























































































































































































