Kapitel 35

Schöne Narben

„In Zukunft soll mir niemand mehr mit diesen Dingen zur Last fallen! Denn die Narben, die ich an meinem Körper Trage, zeigen, dass ich im Dienst von Jesus stehe und an seinem Leiden teilhabe.“ – Galater 6,17  (NGU2011)

Ein Nike-Spot lief einmal ganz ohne erzählerische Stimme. Er zeigte Sportler mit gezeichneten Körpern: einen Cowboy mit einer vernarbten Augenpartie, einen Ringer mit Blumenkohlohren, einen Surfer mit Haifischbiss. Kein  Erzähler. Nur die leise Klangfarbe von Joe Cocker, der singt: „You are so beautiful… to me.“

Die Zuschauer waren verwirrt. Manche empfanden es als extrem, sogar verstörend.

Doch der Werbemacher erklärte: „Für diese Menschen sind ihre Narben Schönheitsmale. Sie haben einen Preis bezahlt für etwas, das sie lieben. Und gerade das macht sie schön.“

Und Paulus’ Worte gewinnen in diesem Licht neue Tiefe:
„ Denn die Narben, die ich an meinem Körper Trage, zeigen, dass ich im Dienst von Jesus stehe“

Paulus war hier nicht poetisch. Sein Körper zeigte heftig sichtbare Narben – durch Peitschen, Stangen, Fesseln und Steine. Sie waren nicht eingebildet. Nicht symbolisch. Und keineswegs beschämend. Es waren seine Zeugnisse.

In der antiken Welt sprachen Narben deutlich. Soldaten trugen das Zeichen ihrer Legion. Verbrecher und Ausgestoßene erhielten Brandmale, die ihre Schande offenlegten. Sklaven wurden mit dem Siegel ihres Herrn verbrannt – ein permanentes Besitzzeichen. Diese Zeichen waren kein Zufall, sondern sie zeigten der Welt, wem sie gehörten. Paulus sah seine Verwundungen genauso – als Beweis, dass er Christus gehörte.

Aber Paulus’ Narben sagen uns noch mehr.

Sie zeigen: Leiden um Christi willen ist nicht sinnlos. Es ist ein Privileg.

Die Schrift sagt: „Er hat euch die Gnade erwiesen, nicht nur an Christus zu glauben, sondern auch für Christus zu leiden.“
– Philipper 1,29

In Apostelgeschichte 5 freuten sich die Apostel, „dass sie würdig erachtet wurden für den Namen des Herrn zu leiden“

Und bedenke: Jesus selbst trägt Narben – sichtbar nach der Auferstehung. Die einzigen Dinge, die im Himmel menschengemacht sind, sind jene Wunden, die wir Ihm zugefügt haben. Er hätte sie entfernen lassen können. Doch Er trägt sie voller Würde – wie ein Hochzeitsring. Genauso wie unsere Narben zeigen, dass wir Ihm gehören, zeigen Seine Narben, dass Er uns gehört.

Vielleicht, nur vielleicht, sind deshalb die Narben, die du in der Nachfolge Christi trägst– Ablehnung, Spott, Verlust, Verrat – keine Zeichen der Niederlage. Sondern Zeichen dafür, dass du nicht aufgegeben hast. Dass du treu geblieben bist. Dass du Ihm gehörst. Und sie werden nicht vergessen.

In der Ewigkeit werden wir nicht mehr leiden. Es wird keine Tränen, kein Opfer mehr geben. Jetzt – genau jetzt – ist die einzige Zeit, in der du um Jesu willen leiden kannst. Und eines sagt mir mein Herz: Diese Narben werden wir in die Herrlichkeit mittragen – nicht als Schande, sondern als Schönheitszeichen.

 

Zum Nachdenken:
Welche Narben – körperlich oder emotional – hast du getragen wegen deiner Treue zu Christus? Blickst du auf sie als Wunden oder als Ehrenzeichen? Wie könnte dein Schmerz die Geschichte von Zugehörigkeit erzählen?

Gebet:
Herr Jesus, danke für die Narben, die Du für mich getragen hast. Hilf mir, mich nie für die Narben zu schämen, die ich für Dich getragen habe. Lass sie Erinnerungen an Liebe, nicht an Verlust sein – Zeichen der Zugehörigkeit, nicht der Ausgrenzung. Und gebrauche meinen Schmerz, mein Zeugnis und selbst meine Wunden, um andere auf Deine Gnade hinzuweisen. Amen.

Handlungsimpuls:
Denk diese Woche über deinen Weg mit Jesus nach. Bei was hast du in der Nachfolge für Ihn gelitten? Schreib es auf. Bring es zu Ihm. Und such dir jemanden, der wissen sollte, dass er im Kampf nicht allein ist. Deine Narben könnten anderen helfen, Heilung zu finden.