
Kapitel 2
Verloren und glücklich dabei
Schriftstelle: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat, damit er uns herausrette aus der gegenwärtigen bösen Weltzeit, nach dem Willen unseres Gottes und Vaters.“ – Galater 1,3–4 ( Schlachter 2000)
Als mein drittes Kind, London, noch ein Kleinkind war, machte unsere Familie einen Ausflug nach Disney World – dem berühmten „glücklichsten Ort der Welt“. Die Sonne war gerade untergegangen, als die Magie der abendlichen Parade begann. Die Hauptstraße verwandelte sich, die Gehwege waren gesäumt von Zehntausenden erwartungsvollen Gesichtern, die auf das Spektakel warteten.
Inmitten der funkelnden Lichter und fröhlichen Musik tat ich, was jeder Vater tun würde: Ich warf einen Blick um mich, um sicherzugehen, dass meine Familie vollzählig war – ein Reflex, den man als Elternteil automatisch entwickelt. Doch diesmal stimmte etwas nicht. Ich zählte schnell – und es fehlte einer. London war verschwunden.
Ich wandte mich an meine Familie, aber niemand hatte ihn gesehen. Mein Herz begann zu rasen. Sofort teilten wir uns auf und suchten fieberhaft die Menschenmenge ab. Jede Minute fühlte sich wie eine Ewigkeit an, während Panik in mir aufstieg. Immer wieder rief ich seinen Namen, lauter als das Stimmengewirr um mich herum: „London! London!“ Jede unbeantworteten Rufe verstärkten meine Angst.
Dann, durch das Gewirr aus Füßen und Beinen auf der Straße, sah ich ihn – eine kleine, windeltragende Gestalt, die sichtlich unbesorgt davonspazierte. Ein Schub aus Erleichterung und Dringlichkeit trieb mich durch die Menge. Ich griff nach seinem Arm, drehte ihn zu mir – es war London.
Ich hob ihn auf, drückte ihn fest an mich, mein Herz hämmerte. Ich bedeckte ihn mit Küssen, überflutet von Dankbarkeit und Erleichterung. Doch er schaute mich nur verwundert an und fragte: „Was ist denn los, Papa?“
„Du warst verschwunden!“ stieß ich hervor, immer noch außer Atem.
Seine Antwort traf mich wie ein Blitz. Mit einem schelmischen Lächeln und völliger Unschuld sagte er: „Nein, war ich nicht, Papa.“
In diesem Moment wurde mir etwas klar: Er war verschwunden – aber er hatte es nicht einmal gemerkt. Völlig ahnungslos über die Gefahr, genoss er sein kleines Abenteuer. Doch als sein Vater war ich derjenige, der am Boden zerstört war. Mein Herz war erfüllt von Angst und Schmerz. Ich hatte ihn mit jeder Faser meines Herzens gesucht und nach ihm gerufen.
Es erinnerte mich an Gottes eigene Suche nach der Menschheit. Im Garten Eden, nachdem Adam gesündigt hatte, unterbrach Gott sogar Seine Sabbatruhe, um zu rufen: „Adam, wo bist du?“ Adam war die erste verlorene Seele – und seit jenem Moment sucht und rettet Gott unermüdlich die Verlorenen.
Eines Tages, als ich wieder in der Innenstadt von Nashville war, dachte ich an diese Wahrheit. Ein obdachloser Mann kam auf mich zu und bat um Kleingeld. Ich gab ihm, was ich hatte, und fragte ihn dann: „Bist du gerettet?“
Er schaute mich verwundert an. „Gerettet? Wovon denn?“
Seine Frage ließ mich innehalten. Die Worte, die mir so selbstverständlich über die Lippen kamen, hatten für ihn keinerlei Bedeutung. Für viele Menschen außerhalb unserer christlichen Kreise klingt solche Sprache fremd. Die meisten Verlorenen wissen nicht einmal, dass sie verloren sind. Sie sind wie London – unterwegs, aber völlig ahnungslos, dass sie Rettung brauchen. Und ich fragte mich: Verstehen wir Christen wirklich, was Erlösung bedeutet?
Erlösung ist kein religiöser Begriff oder bloß ein theologisches Konzept. Es ist eine übernatürliche Rettung aus tödlicher Gefahr. In seinem Gruß an die Galater bringt Paulus es direkt auf den Punkt: „ Jesus Christus, der sich selbst für unsere Sünden gegeben hat,“ kam, ,, damit er uns herausrette aus der gegenwärtigen bösen Weltzeit…“
Das Wort „retten“ hat Gewicht. Es spricht von Gefahr, Hilflosigkeit und der Unfähigkeit, sich selbst zu helfen. Wir brauchten nicht einfach Rat, Ermutigung oder eine bessere Anleitung – wir waren am Ertrinken. Überwältigt von Sünde, gefangen in einer finsteren Welt. Wir konnten uns nicht selbst befreien. Und in diesem hoffnungslosen Zustand bot Jesus nicht einfach Hilfe an – Er bot sich selbst an. Er wurde unsere Rettung.
Das war keine Notlösung. Paulus sagt klar: Diese Rettung geschah „nach dem Willen unseres Gottes und Vaters“. Von Anfang an war es Gottes Plan, Seinen Sohn zu senden, um uns aus der Macht der Sünde und der Zerrissenheit der Welt zu erlösen. Aus einer Liebe, die unser Verstehen übersteigt, gab Er Seinen Sohn hin – Sein Leben für unsere Freiheit. Das ist das Herz des Evangeliums. Das ist unsere Rettung.
Zum Nachdenken:
Hast du vergessen, woraus du gerettet wurdest? Gibt es Menschen in deinem Umfeld – wie London, die ziellos umherirren, ohne zu merken, dass sie verloren sind und die jemanden brauchen, der nach ihnen schaut? Wann hast du das letzte Mal Gott wirklich dafür gedankt, dass Er dich gerettet hat?
Gebet:
Vater, danke, dass Du mich gerettet hast – damals, als ich nicht einmal wusste, dass ich verloren war. Danke, dass Du Jesus gesandt hast – nicht nur als Lehrer oder Helfer, sondern als Retter. Hilf mir, nie zu vergessen, wie sehr ich Dich gebraucht habe – und wie sehr Du mich liebst. Gib mir Dein Herz für die, die noch umherirren. Amen.
Tägliche Herausforderung:
Nimm dir heute Zeit, dich an deine eigene Rettungsgeschichte zu erinnern. Dann halte Ausschau nach jemandem, der noch unterwegs ist. Bitte Gott um den Mut, dich auszustrecken – nicht mit Urteil, sondern mit der Liebe eines Vaters, der seine Kinder nach Hause bringen will.














































































































































































